Finisher Story: Ein Bericht von Michael

"Allerdings beschäftigte mich die Frage über Wochen, ob es nicht doch irgendwie machbar wäre, diese Serie zu meistern." - fragte sich unser neuer Finisher Michael als er zu ersten mal vom Deutschland Klassiker hörte. Mittlerweile darf er sich trotz aller Zweifel Finisher nennen.

“Im Februar 2019 startete ich in Oberammergau in die  „härteste Ausdauerserie Deutschlands“  und nun bin ich  trotz aller Zweifel und Widrigkeiten stolzer Finisher des Deutschlandklassikers. 

Als bislang „nur“ Marathoni, der aber gerne Neues ausprobiert und passionierter Schlittschuhläufer, bin ich vor einigen Jahren auf die „Alternatieve Elfstedentocht“ gestoßen. Es handelt sich dabei um einen Eisschnelllaufmarathon über 200 Kilometer, der in Kärnten auf dem Weissensee stattfindet. Für Januar 2019 hatte ich mich angemeldet und stieß bei der Recherche im Internet bezüglich Trainingsmöglichkeiten auf den „DEUTSCHLANDKLASSIKER“

Als Ausdauersportler war ich sofort sehr interessiert, es taten sich aber auch viele Fragen auf.

- Langlauf hatte ich zuletzt vor 30 Jahren versucht und das auch nur im Urlaub. Ich konnte also nicht einschätzen, ob ich es überhaupt kann und dann gleich 50 Kilometer???

- Die Mecklenburger Seenrunde mit 300 Kilometern warf die nächste Frage auf. Ja, ich fahre schon viel Fahrrad, auch der ein oder andere Radurlaub war schon dabei,  aber 300 km am Stück???

- Schwimmen ist die Disziplin, die mich vom Triathlon abhält, und dann gleich fast so weit wie beim Ironman auf Hawaii???

Eigentlich war schnell klar, dass nur der Frankfurt-Marathon zu bewältigen ist.

Allerdings beschäftigte mich die Frage über Wochen, ob es nicht doch irgendwie machbar wäre, diese Serie zu meistern. 
Der Plan reifte, es zu versuchen, und ich schrieb die Veranstalter des König-Ludwig-Laufs und des USee-Schwimmens an, um mich nach den jeweiligen Zielschluß-Zeiten zu erkundigen. Beim Langlauf hieß es „wir warten auf jeden“ und beim Schwimmen zwei Stunden. Nun wurden eifrig Lauf- und Schwimmzeiten berechnet und Termine für ein mögliches „Trainingslager“  in Sachen Langlauf im von meinem Wohnort erreichbaren Sauerland geplant.

Nachdem die zunächst größte Hürde, die Zustimmung meiner lieben Ehefrau, gemeistert war, meldete ich mich trotz großer Zweifel beim Deutschlandklassiker an.

Die Registrierungen für alle Disziplinen folgten und so begann ich neben meinen üblichen drei bis vier  Laufeinheiten pro Woche im Oktober 2018 mit dem von der Mecklenburger Seenrunde zur Verfügung gestellten Trainingsplan und ging zusätzlich regelmäßig schwimmen.

2019 sollte also das Jahr mit den bislang größten sportlichen Herausforderungen werden. Los ging es im Januar am Weissensee und es gelang mir tatsächlich die 200 km auf dem Eis in gut 10 Stunden zu bewältigen.

Konditionell sollte also beim bereits eine Woche später stattfindenden Langlauf nichts anbrennen. Allerdings lag den ganzen Winter nirgendwo Schnee, sodass ich beim König-Ludwig-Lauf ohne jede Vorbereitung an den Start musste. Als ich in Oberammergau beim Skiverleih meine Ski abholte, erntete ich nur Kopfschütteln und wurde darauf hingewiesen, dass es völlig aussichtslos sei, mit dem geliehenen Material den Lauf zu meistern. Na toll!

Der Lauf wurde bei starkem Schneefall gestartet und im Ergebnis sollen während des Marathons 30 cm Neuschnee gefallen sein.

Für mich ging es am Ende des Feldes vorsichtig los und nach 20 Kilometern war ich recht optimistisch, dass es klappen könnte. Doch dann setzte sich immer wieder Schnee unter meinen „Fellski“ fest, was ein durchgängiges Laufen unmöglich machte. Ein Service-Techniker an der Strecke sagte zunächst, dass man da nichts machen könne und ich das Rennen beenden solle. Auf meinen entschiedenen Widerspruch versuchte er es dann, indem er den kompletten Ski (inklusive Fell) wachste. Die nächsten Kilometer verliefen nun ohne jeglichen Grip, was einer neuen Katastrophe gleichkam. Aufgeben war dennoch keine Option, also quälte ich mich Kilometer um Kilometer dem Ziel entgegen. Neben den technischen Problemen war zwischenzeitlich so viel Neuschnee gefallen, dass auch die Loipe fast nicht mehr zu erkennen war. Schließlich erreichte ich nach über 7 Stunden doch noch das Ziel und die erste Disziplin war geschafft.

Teil zwei meines Abenteuers war im Mai die Mecklenburger Seenrunde, bei der ich mich für eine Gruppe mit Guide angemeldet hatte, die laut Veranstalter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 km/h (inklusive Pausen) fahren wollte. Ich hatte mein Training auf diese Geschwindigkeit ausgelegt und hoffte, die Distanz in der Gruppe im Windschatten zu bewältigen. Am Tag des Radmarathons stand ich pünktlich um 04:40h mit meinem Trekkingrad am Start und hatte natürlich nur Rennräder um mich. Die Gruppe begann direkt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h und steigerte bis Kilometer 80 (2. Verpflegungspunkt) auf 26 km/h. Als sich dann bei mir an den immer wiederkehrenden Steigungen die ersten Krämpfe ankündigten, war mir klar, dass das zu schnell für mich war und ich ließ die Gruppe ziehen. Schade!                                                

Von nun an fuhr ich zwar mein geplantes Durchschnittstempo, hatte aber bei strammen Gegenwind keinen Windschatten mehr. Die Chancen sanken stark das Ding zu Ende zu bringen. Als vorläufiges Ziel nahm ich mir nun die 200 km Marke vor, da ich noch niemals zuvor so eine Entfernung am Stück zurückgelegt hatte. Kurz nachdem ich die 200 km „geknackt“ hatte und die Fahrtrichtung zurück in Richtung Neubrandenburg ging, kam nun auch der Wind von hinten. Eine wahre Wohltat, die ungeahnte Kräfte mobilisierte. Nun ging es zügig bis zum letzten Verpflegungspunkt ca. 25 km vor dem Ziel. Hier herrschte eine wahnsinnige Stimmung, weil klar war, dass es jeder ins Ziel schafft, der bis hier gekommen war. Nach ziemlich exakt 15 Stunden erreichte ich das Ziel in Neubrandenburg. Wahnsinn!

Die nächste große Herausforderung machte nochmals richtig Bauchschmerzen, das     USee-Schwimmen. Ich trainierte regelmäßig in meinem eigens für diese Veranstaltung erworbenen Neo. Dennoch blieben Zweifel, ob ich die Distanz überhaupt und falls ja, vor dem Zielschluß meistern könnte. Mitte August ging es bei strömendem Regen in den Unterbacher See und nach für mich respektablen 1:42 Stunden hatte ich es tatsächlich geschafft.

Der Jubel war groß, da jetzt nur noch „meine“ Disziplin, der Frankfurt-Marathon, anstand. Der jährliche Münster-Marathon wurde in das Training als langer langsamer Lauf integriert und dann passierte es. Nach dem MüMa hinderte mich eine hartnäckige Muskelverhärtung fast gänzlich am Training. Der Traum drohte zu platzen.

Schließlich fuhr ich mit  fast siebenwöchiger Trainingspause Ende Oktober nach Frankfurt in der Hoffnung mit einem sehr langsamen Tempo irgendwie die Festhalle zu erreichen.

Nach 5 Stunden war ich dann tatsächlich da und damit stolzer FINISHER des DEUTSCHLANDKLASSIKERS!!!

Die folgende Medaillenübergabe am Stand des Klassikers war dann ein wahres Fest!"

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