Interview: Wie bereitet man sich ohne Schnee auf den König Ludwig Lauf vor?

Vor dieser Frage stehen viele Deutschland Klassiker Teilnehmer. Unser Finisher #35 Henrik ist leidenschaftlicher Skilangläufer aber eben auch aus dem Norden.

Seine Lösung: Rollski! Wir stellten ihm für Euch 3 Fragen.

Inwiefern ist das Training vergleichbar mit Langlaufski?

Belastungen, die man trainieren möchte, ähneln sich auf Rollski denen der richtigen Ski. Auch technisch eignet sich das Skiroller-Training gut, um grundlegende Bewegungsmuster einzustudieren und an Stabilität zu gewinnen. Festzuhalten bleibt: Es gibt wohl keine bessere Trainingsmethode, die dem Skilanglauf so nah kommt wie das Laufen auf Rollski. Dennoch ist das Gefühl, auf Schnee zu gleiten und im Skating-Stil die Kanten einzusetzen, einfach unnachahmlich.

Bestimmte Bewegungen lassen sich mit Rollski nur schlecht simulieren: Zwar verfügen Klassik-Roller zumeist über eine Rücklaufsperre, doch entspricht dies kaum dem Abdruck über die Steigzone beim klassischen Langlaufski – der Diagonalschritt erfordert weit mehr Geschick und kann letztlich nur auf Schnee optimal trainiert werden. Dazu sind Bremsmanöver auf Rollski nur schwer möglich. So können selbst seichte Abfahrten schnell gefährlich werden. Das für den Langlaufsport so attraktive Wechselspiel zwischen steilen Anstiegen und windigen Abfahrten ist somit genau das, was auf Asphalt eingeschränkt trainiert werden kann. Jenen, die selten oder gar die Möglichkeit haben, auf Schnee zu üben, bietet allerdings gerade der König-Ludwig-Lauf mit seinem vergleichsweise flachen Streckenprofil zumindest technisch händelbare Bedingungen.

 

Worauf ist beim Leih oder dem Kauf von Rollski zu achten?

Klassisch oder Skating – diese Frage muss jeder Athlet zunächst für sich beantworten, denn auch im Rollski-Bereich gibt es hier zum Teil deutliche Unterschiede beim Material. Selbst wer ein guter Inlineskater ist sollte sich nicht täuschen: Der sichere Schlittschuhschritt auf Ski und der koordinierte Stockeinsatz ist elementar anders und erfordert sehr viel Übung. Das reine „Schieben“ im klassischen Stil ist hingegen vergleichsweise einfach zu erlernen und damit auch für kurzfristige Langlauf-Einsteiger, die sich auf die 50-Kilometer-Distanz beim König-Ludwig-Lauf vorbereiten, die aus meiner Sicht bessere Wahl. 

Rollski sind für mich vor allem eins: Ein Trainingsmittel. Tatsächlich lege ich auf „High-Tech“ keinen wert, ebenso wenig wie auf eine besonders schnelle Performance. Häufig werden sogar gebremste Rollen gelaufen – auch für Einsteiger eine Überlegung. Was zählt ist der Trainingseffekt. Für Klassik-Roller sollten besser breite Rollen gewählt werden. Zur Haftung auf dem Asphalt benötigt werden bei den Stöcken außerdem spezielle Hartmetall-Aufsätze. 

Wer vor allem regelmäßig trainieren will, wird abseits der Wintersportvereine kaum preisgünstige Leihmöglichkeiten finden. Wer sich daher für einen Kauf entscheidet, wird für einen Preis von unter 200 Euro für ein Paar Rollski in jedem Fall fündig. 

 

Hast du grundsätzlich noch andere Empfehlungen für die Vorbereitung auf den König-Ludwig-Lauf?

Es wäre verwegen zu sagen, dass ein guter Radfahrer, Schwimmer oder Läufer gleichzeitig auch ein guter Skilangläufer ist. Da der Langlauf aber eine sehr komplexe Kraft-Ausdauer-Disziplin ist, gibt es allerdings kaum eine Übung, die keinen positiven Trainingseffekt für die Disziplin bieten kann. Wer bislang vor allem seine Ausdauer trainiert hat, sollte nun in Hinblick auf den König-Ludwig-Lauf verstärkt Kraft-, Koordinations- und Stabilitätsübungen ins Training integrieren. Crossfit und -gezielte Balanceübungen – all das können gute Bausteine für ein Skilanglauftraining sein, wie auch Studio-Einheiten mit Hanteln, Zugmaschinen oder Battle Ropes. Der ganze Körper muss gefordert werden! 

Mein Tipp: Gestalte Lauftrainings einfach mal anders, zum Beispiel als Crosslauf über unwegsames Gelände und Hügel. Zusätzlich kann der aktive Einsatz von Stöcken beim Laufen dabei helfen, die Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Kurz gesagt empfehle ich, die Vorbereitung entsprechend der individuellen Trainingsbedingungen möglichst kreativ zu gestalten und dies auch als eine für die Disziplin typische Herausforderung anzunehmen – für mich jedenfalls ist auch das einer der Gründe, warum ich leidenschaftlich für den Skilanglauf brenne.

Henrik ist Mitglied beim WSV 1923 Bad Freienwalde und Teil des myrollerski NORDIC RACING TEAMS.

« zurück zur Übersicht

Nach oben