Kerstins Finisher Story als Adventskalender

Am 1. Advent startet der ganz persönliche Deutschland Klassiker Adventskalender. Über die 4 Adventssonntage veröffentlichen wir Teile aus dem Finisher Bericht unserer schwedischen Finisherin Kerstin #48.

Frankfurt Marathon

Nach 35 Marathons und einigen Ultraläufen hatte ich das Gefühl, dass ich neue Ziele brauchte um mich dazu zu motivieren zu laufen und zu trainieren. Meine persönliche Marathonbestzeit war 4:06 h in Berlin. Mein Traum war es, einen Marathon in unter 4 Stunden zu laufen aber mir war klar, dass ich mein Training ändern müsste um dorthin zu gelangen. Ich fand den besten Personal Trainer, der persönliche Trainingsprogramme machte, mich anspornte und versuchte mir beizubringen, wie man schnell läuft. Das war beinahe wie ein Neustart und ich setzte auf den Frankfurt Marathon, der zeitlich günstig lag und leicht zu laufen sein sollte. Es war eine fantastische Veranstaltung, wo Start und Ziel in der Messehalle sind. Man läuft auf einem roten Teppich direkt ins Ziel in der Halle mit blinkenden Lampen und Salutschüssen. Dort kann man dann duschen, sich umziehen, essen und andere Läufer treffen, alles in der Halle. Immer trocken und warm, wetterunabhängig, was sehr praktisch ist, da der Lauf im Oktober stattfindet. Das Wetter ist typisches Herbstwetter, ziemlich kühl und windig, aber kein Regen und abgesehen vom Wind perfektes Laufwetter. Anfangs folgte ich den 4 Stunden Pacemakern. Es war am Anfang ziemlich eng und teilweise schwierig einer Gruppe zu folgen, so dass ich mich nach einigen Kilometern fragte, ob sie mich bald einholen würden. Es lief jedoch wie am Schnürchen. Schon nach 10 km lag ich deutlich vor dem Zeitplan und merkte, dass es klappen würde! Ich schaffe es in unter 4 Stunden! Den restlichen Lauf lief ich mit einem guten Gefühl und einem Lächeln auf den Lippen. Mein Ergebnis war 3:51:38, neue Bestzeit mit 15 Minuten! 

Danach fand ich heraus, dass der Frankfurt Marathon Teil des Deutschland Klassikers ist. Sollte ich jetzt den Deutschland Klassiker machen? Ich habe bereits dreimal den Schwedischen Klassiker gemacht, es könnte also lustig werden auch den Deutschland Klassiker zu machen.

König Ludwig Lauf 

Der König Ludwig Lauf findet in Oberammergau in Bayern statt. Oberammergau ist eine fantastische Kleinstadt, wo jedes vierte Jahr religiöse Passionsspiele stattfinden. Die ganze Stadt wird davon geprägt und hat eine spezielle Atmosphäre. Es wimmelt u.a. von kleinen Geschäften mit geschnitzten und angemalten religiösen Figuren, die in den Schaufenstern und auf Regalen stehen. Der Lauf findet normalerweise am ersten Wochenende im Februar statt. Er ist 50 km lang und ist Teil des sogenannten Worldloppet. Die Strecke ist unglaublich schön und geht rauf zum Schlosspark Linderhof und wieder runter. Leider musste der Lauf jedoch wegen Schneemangel oft verkürzt werden. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal seit langem wieder reichlich Schnee und die ganze Strecke war fahrbar. Am Tag vor und am Tag nach dem Lauf war strahlender Sonnenschein und glitzernder Schnee. Aber  gerade am Wettkampftag herrschten (unglücklicherweise)  ein paar Plusgrade und heftiger Schneeregen. Ich zog meine Regenjacke an, was eine gute Wahl war. Viele hatten Probleme mit dem Schnee, der immer mehr unter den Skiern festklebte, und zu einem schlechtem Griff führte. Wir haben wachsfreie Skier mit Hautstreifen, die mit einem abnehmbaren Magneten unter dem Ski festsitzen. Mein Mann und Mitstreiter Micke verlor seinen Magneten (!) am Anfang des Laufs und es entstand ein großes Loch, wo der Schnee unter seinem einen Ski hängenblieb. Dadurch fuhr es sich noch schlechter. Die Loipen wurden auch immer schlechter. Wir kämpften weiter und fuhren bis zum Schloss zusammen, aber da ich durchnässt und durchgefroren von dem ganzen Schnee war, fuhr ich dann etwas schneller um wieder aufzutauen. Letztendlich kamen wir beide ins Ziel. Ein toller Einsatz besonders von Micke. Am Ende verkürzten sie sogar die Strecke wegen des schlechten Wetters, so dass die Letzten gut 5 km kürzer fuhren und trotzdem das Ergebnis anerkannt bekamen. Es scheint kein Zeitlimit zu geben. Im Ziel bekamen wir zu essen und zu trinken und konnten in einer warmen und trockenen Turnhalle duschen. Selten hat man eine Turnhalle so zu schätzen gewusst.

Mecklenburger Seen Runde

Wir starteten um 03 Uhr nachts. Es war stockfinster, windstill und ruhig. Wir waren eine kleine Gruppe, die gleichzeitig startete, und wir hatten fünf Leute direkt vor uns, deren Rücklichtern wir folgten. Es fuhr sich sehr gut. Allmählich wurde es hell. Plötzlich hielten die Leute vor uns an (alle Deutsche). Es stellte sich heraus, dass wir vermutlich eine Abfahrt im Dunkeln verpasst hatten, denn wir hatten uns total verfahren. Was sollten wir tun? Wir mussten den richtigen Weg finden um keine Zeitmessmatte zu verpassen und disqualifiziert zu werden. Wir fuhren vor und zurück, hielten Autos an und fragten nach dem Weg, und endlich fanden wir zurück zum richtigen Weg. Wir hatten uns 21 km verfahren und eine Menge Zeit und Energie verschwendet! Micke und ich fuhren die restliche Strecke zusammen. Wir hielten an allen Verpflegungsstellen an, aber fuhren dazwischen mit 22-23 km/h. Es gab reichlich zu essen, zu trinken und Toiletten unterwegs. Nach 18 Stunden und 321 km kamen wir ins Ziel und fühlten uns noch recht gut.
Im Vergleich zur Vätternrunde meinen die, die beide Wettkämpfe kennen, dass Mecklenburg etwas leichter ist, da es mehr waldige Stellen gibt, die gegen Wind schützen, und es ist auch etwas weniger hügelig

USee Schwimmen

Wieder strahlender Sonnenschein vor und nach dem Wettkampf. Es goss die ganze Nacht in Strömen. Morgens wurde es etwas weniger aber es regnete leicht den ganzen Tag über. Das Wasser war warm, gut 20 Grad und etwas kühler mit ca 16-18 Grad in der Luft. Alle Hinweise zum Wettkampf waren auf Deutsch. Wir hatten verpasst ein Band für den Chip zu bestellen und kein Hängeschloss für die Wertsachenabgabe mitgebracht. Eine kluge Person hatte Google translate benutzt und hatte mehr Glück... Es gab eine einzige Dusche für Frauen und eine für Männer – aber was soll’s, man war ja sowieso nass. Der Start war ca 100 m vom Ufer entfernt und dorthin hatte ich es noch nicht ganz geschafft, als der Startschuss ging, so dass ich von Anfang an etwas hinter dem Feld war. Das Wasser war warm, schön und ruhig. Ich kam direkt in einen schönen Flow und bin die ganze Strecke gleichmäßig gekrault. So gut bin ich noch nie geschwommen. Ich habe mehrere überholt und hätte noch stundenlang weitermachen können. Wobei, nach eine Stunde wird es natürlich etwas einförmig, man sieht ja fast nur Wasser wenn man schwimmt. Die Strecke ist 3,3 km lang, vom Südstrand bis zum Ende des Sees und zurück auf der anderen Seite. Auf dem Grund des Sees gibt es jede Menge Pflanzen, die sich hin und wieder um Arme und Beine schlingen. Viele fanden das etwas unheimlich aber mir macht es nichts aus. Ich schwamm in 1:20. Total zufrieden mit dem Gefühl und dass ich den Deutschland Klassiker geschafft hatte!
Am nächsten Tag schien die Sonne und ich lief eine herrliche Runde um den schönen See vorbei an vielen Brombeersträuchern, bevor es wieder nach Hause ging.

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